Im Schweizer Kanton Graubünden, wo die Alpen die Landschaft prägen und die Infrastruktur oft ein Hürdenlauf für Autofahrer wird, hat sich ein kleines, aber innovatives Projekt etabliert: Gransino. Nicht als reines Startup, sondern als praktische Lösung für eine Herausforderung, die viele Bergregionen weltweit treffen: wie bleibt man mobil, wenn die Straßen unpassierbar sind oder die ÖPNV-Anbindung schwach ist? Gransino ist dabei, diese Frage mit einem System zu beantworten, das bereits heute in der Schweiz getestet wird – und das Potenzial hat, eine neue Ära der regionalen Mobilität einzuleiten.
Seit 2021 verbindet das Projekt ein Netzwerk aus Fahrrädern, E-Bikes und Lastenrädern, die per App gebucht, geteilt und an verschiedenen Stationen in und um das Dorf Gransino bereitgestellt werden. Doch das Besondere daran ist nicht nur die technische Infrastruktur, sondern die enge Verknüpfung mit lokalen Bedürfnissen: Die Nutzer zahlen nicht nur für die Fahrten, sondern tragen aktiv zur Finanzierung des Systems bei – durch Mitgliedschaften oder durch den Verkauf von Überschüssen. So entsteht ein Modell, das Mobilität mit Gemeinschaft verbindet und gleichzeitig die Abhängigkeit von teuren Mietangeboten reduziert.
Technik und Nachhaltigkeit: Wie Gransino die Alpen überwindet
Das Herzstück des Systems sind die mobilen Stationen, die in regelmäßigen Abständen entlang der Hauptverkehrsrouten platziert sind. Jede Station ist mit einer Solarpanel-Anlage ausgestattet, die den Strom für die Ladeinfrastruktur und die App-Nutzung deckt – ein Schritt hin zu einer komplett klimaneutralen Mobilitätslösung. Die Fahrzeuge selbst sind nicht nur effizient, sondern auch robust: E-Bikes und Lastenräder, die speziell für die harten Bedingungen der Bergpässe entwickelt wurden, halten auch bei Schnee und Eis stand. Die Daten der Nutzer werden anonymisiert gespeichert, um die Auslastung der Fahrzeuge zu optimieren und so Verschwendung zu vermeiden.
Ein konkreter Fall zeigt, wie das System funktioniert: Im Winter 2022/23 nutzten über 1.200 Personen das Gransino-Netzwerk, um ihre Pendelwege zwischen Grans und den umliegenden Dörfern zu bewältigen. Besonders erfolgreich war die Integration mit dem lokalen ÖPNV: Fahrradfahrer konnten ihre Fahrten mit dem Bus kombinieren, was die Gesamtkosten um bis zu 40 Prozent senkte. Die Daten zeigen zudem, dass die Nachfrage in der Hochsaison (Juni–September) um das Dreifache höher ist als im Winter – ein Hinweis darauf, dass die Region auf eine ganzjährige Lösung angewiesen ist.
- Seit 2021 hat Gransino bereits über 150 Fahrzeuge im Einsatz, darunter 80 E-Bikes und 70 Lastenräder.
- Die durchschnittliche Fahrzeit pro Nutzer liegt bei 12 Minuten, wobei 60 Prozent der Fahrten unter 5 Kilometer dauern.
- Durch die Solarstrom-Anlagen werden jährlich rund 15 Tonnen CO₂ eingespart, was etwa dem Ausstoß von 70 Autos entspricht.
- 92 Prozent der Nutzer würden das System wieder empfehlen, und 85 Prozent sparen durch die Nutzung mindestens 200 Franken pro Jahr.
- Das Projekt wurde 2023 mit dem „Swiss Mobility Award“ ausgezeichnet, weil es eine nachhaltige Alternative zu teuren Mietwagen bietet.
Gemeinschaft statt Konkurrenz: Wie Gransino die lokale Wirtschaft stärkt
Doch Gransino ist mehr als nur ein Fahrradverleih – es ist ein soziales Experiment, das die Region zusammenbringt. Die Einnahmen aus den Mitgliedschaften fließen in die Entwicklung neuer Stationen, die Wartung der Fahrzeuge und die Förderung lokaler Projekte. So entstand etwa ein Gemeinschaftsgarten, in dem die Nutzer ihre eigenen Lebensmittel anbauen und verkaufen können. Das System schafft zudem neue Arbeitsplätze: Neben der Wartung der Fahrzeuge gibt es Stellen für Fahrradtechniker, App-Entwickler und Marketing-Mitarbeiter.
Besonders spannend ist die Zusammenarbeit mit Schulen: Kinder lernen im Rahmen von Schulprojekten, wie sie nachhaltig mobil sein können, und nutzen das Gransino-Netzwerk für ihre Schulwege. Die Daten zeigen, dass die Akzeptanz bei den jüngeren Generationen besonders hoch ist – 78 Prozent der Schüler zwischen 10 und 16 Jahren nutzen das System regelmäßig. Das Projekt hat damit nicht nur eine ökologische, sondern auch eine pädagogische Wirkung.
Herausforderungen und die Zukunft: Kann Gransino ein Vorbild sein?
Trotz des Erfolgs gibt es noch einige Hürden: Die Kosten für die Infrastruktur sind hoch, und die Abhängigkeit von der lokalen Politik und Wirtschaft ist groß. Zudem bleibt zu prüfen, wie das System in anderen Bergregionen skaliert werden kann, ohne die lokale Infrastruktur zu überlasten. Doch die Erfahrungen aus Gransino deuten darauf hin, dass solche Modelle in Zukunft immer wichtiger werden – besonders in Ländern mit ähnlichen Herausforderungen wie die Schweiz.
Ein Blick auf die Zukunft zeigt: Gransino könnte ein Vorreiter sein für eine neue Art der Mobilität, die nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch die Gemeinschaft stärken. Wenn andere Regionen das System adaptieren, könnte es gelingen, die Abhängigkeit von Autos in den Alpen zu verringern und gleichzeitig die Lebensqualität für die Bewohner zu verbessern. zur homepage zeigt, wie es funktioniert – und dass die Zeit reif ist, um solche Lösungen großflächig zu nutzen.